Freitag, April 15, 2011

die schrecklich nette Familie - rebellisches Kleinod im Staats-TV?

Es ist schon interessant; da läuft im ORF-Mittagsprogramm seit geraumer Zeit eine steinalte US-Sitcom, die so gar nicht dem politischen Mainstream entspricht.
Wer jemals eine Folge von „eine schrecklich nette Familie“ gesehen hat, weiß, wovon die Rede ist. Denn diese Serie stellt den Albtraum jeder Feministin dar; ein machoider Totalversager und Familienvater, der abgesehen von Bowling-Runden und Striplokal-Besuchen mit seinen nicht minder versagenden Freunden keine Freude am Leben hat und vor (Ehe-)frauenverachtenden Sprüchen nur so strotzt.
Eine dazu passende Ehefrau, die den lieben langen Tag zumeist mit Nichtstun oder Geldausgeben (freilich nicht ihr eigenes) verbringt.
Ein ebenfalls versagender Sohn, der nur großbusige, große Frauen im Kopf hat. Eine Tochter, die das Klischee der attraktiven und dummen Blondine prägt, die von ihrer Schönheit profitiert.
Um das Horrorszenario für FeminstInnen abzurunden, gibt es eine dezidiert feministische Nachbarin, die oftmals als „Mann“ tituliert wird und in zweiter Ehe mit einem Macho lebt, der gerade das Nötigste tut und sagt, um die Ehe am Laufen zu halten, von der er materiell profitiert – das männliche Pendant zur Ehefrau des Hauptcharakters also (Gleichberechtigung?).
Es reichen zehn Minuten der Sendung (und selbst das ist viel), um sich zu fragen, wie diese alte Serie mit all ihren frauenverachtenden (wobei gesagt werden muss, dass das männliche Geschlecht nicht minder schlecht dargestellt wird) und Klischeebilder bedienenden Elementen in Zeiten der Gender Studies, die längst ihren Zug durch die Institutionen erfolgreich angetreten haben, es ins ORF-Fernsehprogramm geschafft hat?
Ausdruck der mangelnden Kreativität der ORF-Programmgestalter (schließlich lief die Serie bereits in den 1990er Jahren im Vorabendprogramm), verbunden mit Einsparungen (schließlich hat man ja noch die Ausstrahlungsrechte), die schwerer wiegen als inhaltliche Bedenken? Oder subtiler Ausdruck von Rebellion gegen den Feminismus, verbunden mit Programmvielfalt“? Vielleicht eine Verbindung aus beidem? Also wenn schon kein Geld da ist, dann aus der Not eine Tugend machen und die FeministInnen ein bisschen ärgern?